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12
07
2017

Mahnungen für zu volle Mülltonnen im Emsland zeigen Wirkung

Papenburg/Meppen. - Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) Emsland verschickt seit April 2017 automatisiert Mahnschreiben an diejenigen, die Mülltonnen zu voll oder falsch befüllen. In einer ersten Zwischenbilanz spricht der Landkreis jetzt von einem Erfolg, die Schreiben zeigen Wirkung.

Etwa 2400 Anschreiben hat der AWB bis Ende Juni verschickt, heißt es in einer Mitteilung des Landkreises. Angeschrieben wurden Bürger, die ihre Abfalltonnen falsch befüllt oder sie überfüllt zur Abfuhr bereitgestellt hatten. Die Empfänger wurden darin aufgefordert, den Abfall künftig ordnungsgemäß zu entsorgen. Erste Erfolge zeigen sich bereits, teilte der Landkreis Emsland jetzt mit.

„Dass versehentlich Müll in der falschen Tonne landet, kann passieren. Wird die Restmüll- oder Biotonne allerdings wiederholt für die Entsorgung von Abfällen benutzt, die nicht hinein gehören, oder ist der Behälter ständig überfüllt, erhält der betreffende Haushalt vom AWB Post“, wird Heinz Bökers, stellvertretender Betriebsleiter des AWB, in der Mitteilung zitiert. Erfreulich sei, dass die meisten Bürger sofort nach dem ersten Anschreiben die Abfallbehälter ordnungsgemäß befüllten.

Einführung der Mahnungen Ende März beschlossen

Wie mehrfach berichtet, hatte der Betriebsausschuss des AWB Ende März fraktionsübergreifend beschlossen, zum 1. April ein Mahnsystem einzuführen. Hintergrund war eine hohe Zahl falsch befüllter oder überfüllter Tonnen. Bökers hatte in der Ausschusssitzung berichtet, dass der AWB die Fahrer der Entsorgungsfahrzeuge vom 1. Juli bis 31. Dezember 2016 habe erfassen lassen, ob eine Tonne falsch oder zu voll befüllt ist. Gezählt wurden 7155 falsch befüllte graue Tonnen. In 5628 Fällen handelte es sich um ein einmaliges Fehlverhalten, in 1527 Fällen waren „Wiederholungstäter“ am Werk. Bei der braunen Tonne wurden 5737 Fälle registriert, 4202 Mal waren es „Ersttäter“, in 1532 Fällen wiederholte Falschbefüller. Bei einem Haushalt wurden 15 Vergehen innerhalb von sechs Monaten gezählt, bei einem anderen zehn, hieß es.

Für die technische Abwicklung der Mahnschreiben nutzt der AWB das Behälter-Identifikationssystem, das seit 2014 schrittweise eingeführt worden ist. Dazu wurden die emslandweit 159.000 grauen und braunen Tonnen mit einem elektronischen Chip und einem Aufkleber ausgestattet, auf dem Name und Anschrift des Nutzers registriert sind. Ein Lesegerät am Entsorgungsfahrzeug registriert die Daten bei jeder Abfuhr und speichert Leerungszeitpunkt.

Tonne bleibt nach wiederholter Mahnung stehen

Das eingeführte Mahnwesen sieht mehrere Stufen vor. Zunächst erhält der Eigentümer des Behälters ein Anschreiben des AWB, mit der freundlichen Bitte, den Missstand abzustellen und einen kostenpflichtigen Beistellsack zu nutzen oder einen größeren Abfallbehälter zu bestellen. Im zweiten Schritt kommt es zu einer Aufforderung mit Fristsetzung, im dritten Schritt bleibt die Tonne beim nächsten Mal stehen. In Ausnahmefällen ist sogar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren möglich. Noch detailliertere Zahlen, wie viele Haushalte in den ersten drei Monaten nach Einführung wiederholt ein Mahnschreiben bekommen haben oder Tonnen gar stehengeblieben sind, konnte der Landkreis auf Nachfrage nicht nennen, weil die die zuständige Sachbearbeitung wegen der Urlaubszeit derzeit nicht am Platz sei.

(Weiterlesen: Landkreis Emsland geht gegen überquellende Mülleimer vor)

Auswertungen der ersten drei Monate zeigen, dass rund 40 Prozent der Beanstandungen die fälschliche Nutzung der gelben Wertstoffsäcke als „Müllbeutel“ für die Restmüll- oder sogar Biotonnen betrafen, heißt es jetzt vom Landkreis. In 28 Prozent der Fälle wurden organische Abfälle in der Restmülltonne entsorgt. Falsche Befüllung mit Fremdstoffen wurde in 18 Prozent der Fälle erfasst, bei 14 Prozent handelte es sich um deutlich überfüllte Tonnen.

Keine gelben Müllsäcke für Restmüll verwenden

„Die falsche Benutzung von gelben Säcken, Restmüll-, Bio- und Papiertonnen führt zu höheren Entsorgungskosten für alle Haushalte. Außerdem erschwert es den nachhaltigen Umgang mit wertvollen Reststoffen“, wird Bökers in der Mitteilung zitiert. Der Entsorgungsfachmann weist auch darauf hin, dass für die Müllentsorgung in der Restmülltonne keine gelben Abfallsäcke aus dem Einzelhandel verwendet werden sollten, da sie nicht von den gelben Wertstoffsäcken des Dualen Systems unterschieden werden können. „Irrtümlich könnte dies dann als Fehlbefüllung gewertet werden“, so Bökers. Auch bei den Bioabfällen sollte auf sogenannte kompostierbare Folien-Müllbeutel verzichtet werden, da sie leicht mit herkömmlichen Kunststoffmüllbeuteln zu verwechseln seien. „Hier besser Papiertüten nehmen“, so der stellvertretende Betriebsleiter des AWB.

Landkreis empfiehlt Bioabfall-Papiertüten

Bioabfall-Papiertüten sind in vielen Bürgerbüros der Stadt- und Gemeindeverwaltungen oder beim Landkreis Emsland für drei Euro je 50 Stück erhältlich. Auch Restabfall-Zusatzsäcke mit einem Fassungsvermögen von 70 Litern, die bei gelegentlichem Mehrbedarf neben der Restmülltonne zu Abfuhr bereitgestellt werden können, sind dort zum Preis von 3,30 Euro zu bekommen.

Anleitungen zur richtigen Müllsortierung sind in vielen Sprachen sowie in einer textlosen bebilderten Version auf der AWB-Internetseite unter www.awb-emsland.de zu finden. Für weitere Auskünfte steht der AWB unter der Telefonnummer 05931/44300 zur Verfügung.

 

Diese Bilder von Beispielen von falsch befüllten Mülltonnen im Emsland hatte der AWB im März den Mitgliedern des zuständigen Betriebsausschusses präsentiert. Daraufhin war die Einführung der automatisierten Mahnschreiben fraktionsübergreifend beschlossen worden. Fotos: AWB Emsland/Collage: Heiner Wittwer