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06
2019

Feierliche Einsegung des Bestattungswaldes „Spahner Südholz“

Im Spahner Südholz bei Spahnharrenstätte hat die Samtgemeinde Sögel am Pfingstmontag den Bestattungswald eröffnet.

Bürgermeister Reinhard Timpker aus Spahnharrenstätte war um „Toleranz gegenüber den Wünschen der Lebenden“ und „Respekt gegenüber den Toten“. Beides sei maßgebend für das lokalpolitische Entscheidungshandeln gewesen.

Timpker hob hervor, dass die Veränderung in der Bestattungskultur inzwischen auch den ländlichen Raum erreicht habe. Er betonte aber auch, dass die Gemeinde unter der Debatte gelitten habe. Zwischenzeitlich habe man den Eindruck gewinnen könne, der ganze Ort wäre gegen den Bestattungswald. Dabei sei die breite Mehrheit entweder neutral oder habe dem Vorhaben positiv gegenüber gestanden. Die mediale Präsenz habe leider „wie so oft“ der lautstarken Minderheit gehört, beklagte Timpker.

Den kirchlichen Segen erteilen gemeinsam Pfarrer Bernhard Horstmann von der Hümmlinger Pfarreiengemeinschaft, Pastor Matthias Voss von der evangelischen Markuskirchengemeinde sowie Pfarrer Marius-Gabriel Matei von der rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinde. Horstmann sprach von einer "Stätte der Hoffnung und des Neubeginns".

Hier die Begrüßungsworte des Samtgemeindebürgermeisters Günter Wigbers:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Pfarrer Horstmann, lieber Pater Edmund,

verehrter Pastoren Matthias Voss und Uwe Hill,

lieber Pfarrer Marius-Gabriel Matei,

Die Einweihung unseres Bestattungswalds, die wir jetzt hier und heute feierlich begehen, ist Abschluss und Neubeginn zugleich; Abschluss eines viel zu lang andauernden Verfahrens, aber auch Beginn eines neuen Bestattungsangebotes in unserer Samtgemeinde. Für manchen, auch für mich, ist es zugleich ein emotionaler Tag und ein Moment, der bewegt.

Ich freue mich aufrichtig, dass heute Vertreter aller drei christlichen Kirchen hier sind, um unseren Bestattungswald zu segnen.

Fünf Jahre lang - seit 2014 - haben wir auf kirchlicher und kommunaler Ebene sehr konstruktiv, irgendwann plötzlich auch kontrovers darüber diskutiert, ob in unserer Samtgemeinde diese Form der Naturbestattung angeboten werden sollte oder nicht.

Es war eine in jeder Weise anstrengende Diskussion. Es war auch eine Diskussion, die uns alle ein wenig an unsere Grenzen gebracht hat. Sie hat uns alle belastet.

Gleichwohl waren es in erster Linie nicht die gerichtlichen Auseinandersetzungen oder die Zeitungsberichterstattungen, es waren nicht die in Teilen ganz unerträglichen und unwürdigen Facebook-Veröffentlichungen oder die menschlichen Enttäuschungen, die wir erlebt haben, die mich und uns alle im Rathaus gefordert haben.

Noch einmal herausfordernder, ja auch menschlich viel belastender waren für mich die Gespräche mit Angehörigen, die mit ihren Verstorbenen zu Lebzeiten besprochen hatten, dass sie ihre letzte Ruhe hier im Spahner Südholz finden wollten.

Dass Angehörige in den vergangenen Jahren hier bei uns voller Ungeduld, ja voller Verzweiflung ertragen mussten, dass sie an Geburts- oder Festtagen von Verstorbenen oder an Weihnachten keinen Ort hatten, um mit und um ihren lieben Angehörigen zu trauern, das ist, was die Angehörigen und auch uns so sehr aufgewühlt, belastet und betroffen gemacht hat. In ihrer Verzweiflung haben sie am Ende einen anderen Bestattungsort wählen müssen. Gegen ihre eigene Überzeugung und gegen den Wunsch des Verstorbenen. Vielleicht können Sie nachfühlen, was das bedeutet.

Heute weihen wir unseren Bestattungswald ein. Ab heute können Menschen unserer Samtgemeinde und auch darüber hinaus ihre Ruhestätte in einem nur dafür bestimmten Laubwald finden, können Angehörige den Verstorbenen diesen letzten Wunsch erfüllen und haben endlich einen Ort für ihre Trauer.

Meine Damen und Herren, dass wir den Menschen die freie Wahl überlassen, ob sie auf einem klassischen Friedhof oder hier im Bestattungswald ihre letzte Ruhe finden, ist auch ein Akt christlicher Nächstenliebe.

Die Bibel und unser Glaube schreiben uns keine Form der Bestattung vor. Der christliche Glaube geht davon aus, dass mit dem Tod das irdische Leben zu Ende geht und der Mensch von den Toten aufersteht. Für die Form der Bestattung aber machen uns die Bibel und der christliche Glaube dabei keine Vorgabe: Es kann der klassische Friedhof oder der Bestattungswald sein, es kann die Erdbestattung oder die Verbrennung, die Seebestattung sein oder auch ganz andere Ausprägungen haben.

Ort und Form der Bestattung sind also mehr eine kulturelle Frage und eine Frage der Tradition als eine Frage des christlichen Glaubens.

Wir sollten es den Menschen insoweit nicht unnötig schwer machen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde. Viele der an diesem demokratischen Prozess beteiligten Personen haben sich in der Debatte auch selbst immer wieder geprüft und hinterfragt: Sind wir jetzt beliebig geworden, relativieren wir unsere Kultur und Werte, bediene wir nur den Zeitgeist, wenn wir mit unserem Einsatz für einen Bestattungswald den Bedürfnissen der Menschen folgen?

Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir diese Frage verneinen können. Wir verraten nicht nur unseren Glauben nicht, wir verraten auch unsere Werte nicht. Im Gegenteil. Der Samtgemeinderat und der Gemeinderat Spahnharrenstätte sind beim Bestattungswald ihren Überzeugungen treu geblieben, dass wir Politik für die Menschen machen müssen und dass die Menschen hier gute Gründe haben, sich einen Bestattungswald zu wünschen.

Genau so, wie sich die Lebensumstände eines jeden von uns im Laufe der Zeit verändern, genau wie sich unsere Dörfer, ja die ganze Welt um uns herum, wie sich unsere Gesellschaft verändert, so haben sich in den vergangenen Jahren auch die Wünsche, Bedarfe und Bedürfnisse eines jeden einzelnen von uns verändert.

Familienstrukturen haben sich verändert. Wir sind eine mobile Gesellschaft geworden, und Familienmitglieder sind längst nicht mehr an einem einzigen Ort wohnhaft. Da mag selbstverständlich auch die Grabpflege, die nicht selten für manchen eine große Belastung darstellt, in vielen Fällen ein Grund sein für eine Naturbestattung;

Oder auch die Frage, die Angehörigen damit nicht belasten zu wollen.

Oder auch den vielleicht belastenden Umstand zu wissen, es bleibt gar niemand zurück, der das eigene Grab einmal pflegen wird.

Die Gründe , sich für eine – wie wir sagen würden – herkömmliche Bestattung auf dem Friedhof zu entscheiden oder eine Naturbestattung zu wählen, sind also sehr vielschichtig.

Und die Entscheidung über Ort und Form der letzten Ruhe ist dabei vor allem eines: Sie ist eine höchstpersönliche Entscheidung. Sie ist ein Akt der Selbstbestimmung.

Ich bin daher davon überzeugt und appelliere heute an alle, dass es uns nicht zusteht, zu bewerten, warum sich ein Mensch, warum sich Angehörige für diese oder jene Form der Bestattung entscheiden.

Wir sollten die persönliche Entscheidung eines jeden Menschen akzeptieren, gerade bei seinem letzten Weg. Das sollte für uns alle, gerade für uns Christen, selbstverständlich sein.

Versprechen wir uns doch heute einfach, es jetzt gut sein zu lassen und den Menschen ohne Gewissensnot die freie Wahl zu lassen. Respektieren wir doch einfach den letzten Willen eines jeden Menschen.

Meine Damen und Herren,

der heutige Tag und diese Eröffnungsfeier rücken das Thema Tod ganz unweigerlich ins Bewusstsein: vielleicht der Tod eines nahen Angehörigen, eines engen Freundes oder auch das Schicksal, dass uns selbst oder einem nahen Angehörigen widerfahren könnte.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Tod gerade im nahen Umfeld der Familie verwundbar macht.

Er macht uns aber auch noch einmal offener für den anderen, führt uns die Vergänglichkeit des eigenen Lebens vor Augen.

Das Sterben ist am Ende auch eine Zäsur für die Hinterbliebenen.

Glücklich darüber bin ich, dass ich erleben durfte, dass es heute bei uns Menschen gibt, die mit guter fachlicher Qualifikation und intensivem menschlichen Einfühlungsvermögen ein nahezu schmerz- und angstfreies Sterben möglich machen. Wir haben am Hümmling Hospital ein tolles Team in der palliativen Versorgung, und wir haben einen Hospizverein, dessen ehrenamtliche Helfer so viel Gutes leisten für Sterbende und deren Angehörige. Diesen Menschen dürfen wir an einem Tag wie heute ein ganz großes Kompliment für ihre Arbeit machen.

Unser irdisches Leben bleibt endlich.

Wenn es denn eines Tages zu Ende geht, sind viele von uns vereint in dem Wunsch, einen Ort der Erinnerung und einen Ort der Trauer zu schaffen oder zu haben.

Die Atmosphäre eines Waldes mit seiner besonderen Ruhe und Einsamkeit, mit dem Singen der Vögel und dem Rauschen der Blätter kann für manche dabei eine besondere Rolle spielen.

Genauso gilt dies für unsere klassischen Friedhöfe, die in unserer Region von den katholischen Kirchen betrieben werden und auf denen die Gräber von den Angehörigen in der Regel liebevoll gepflegt werden, denen ich heute – und ich bin mir sicher - stellvertretend für viele – auch für dieses Angebot sehr herzlich danke. Auch auf unseren katholischen Friedhöfen sind mittlerweile viele Formen unterschiedlichster Bestattungen möglich.

Meine Damen und Herren,

wir haben einen umfassenden Diskussions- und Entscheidungsfindungsprozess hinter uns mit Bürgerversammlungen, mit vielen Gesprächen, mit der Besichtigung bestehender Bestattungswälder und von Flächen, die dafür mehr oder weniger als geeignet empfunden wurden, und am Ende mit einem Beschluss des Samtgemeinderates nach ganz normalen demokratischen Grundsätzen. Auch den Mitgliedern des Gemeinderates Spahnharrenstätte, und dir, lieber Reinhard Timpker, ein herzliches Dankeschön für die großartige Unterstützung. Auch an Euch ist das alles nicht spurlos vorbeigegangen.

Für uns ist der Betrieb eines Friedhofes in kommunaler Trägerschaft neu. Gleichwohl haben wir mit Gerd Kerssens einen Friedhofsverwalter, der den Bürgerinnen und Bürgern, den Bestattern, den Angehörigen von Verstorbenen und den Kirchen gern als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Gerd Kerssens hat über viele Jahre den katholischen Friedhof in Sögel verwaltet und verfügt damit über ausreichend Erfahrung und das für eine solche Aufgabe notwendige Einfühlungsvermögen.

Besonders dankbar bin ich den Arenbergern. Sie zeigen mit diesem Teil des Spahner Südholzes mit seinem altem Laubbaumbestand, dass sie etwas von nachhaltiger Forstwirtschaft verstehen. Hier ist im Laufe der Jahrhunderte der für diesen Zweck schönste Wald in der Region entstanden; im Durchschnitt sind unsere Bestattungsbäume 165 Jahre alt. Mit der 99-jährigen Anpachtung und Umwidmung zum Bestattungswald machen wir diesen Forst jetzt in besonderer Weise für die Menschen erlebbar. Wir übernehmen damit aber auch die Verpflichtung, diese Waldfläche wie eine öffentliche Parkanlage zu pflegen.

Wir sind aber auch deshalb dankbar, weil wir mit der Arenberg Meppen GmbH einen Partner gefunden haben, der – sofern er erzielt wird - den wirtschaftlichen Ertrag aus dem Bestattungswald und dem Forstunternehmen nicht für sich vereinnahmt, sondern an die Arenberg-Stiftung abgibt. Diese Stiftung wiederum hat sich in unserer Region besonders hervorgetan, indem sie uns bei der Finanzierung unserer Kindergärten geholfen hat. Zu den jüngsten Beispielen zählen die beiden Kindergärten in Sögel, die Kindergärten in Werpeloh, in Börger und auch in Spahnharrenstätte. Summa summarum dürfte die Arenberg-Stiftung in den letzten Jahren allein im Emsland für Kindergärten, für medizinische und pflegerische Einrichtungen mehr als eine Million Euro zur Verfügung gestellt haben.

Besonders begrüße ich daher Frau Ursula Schmidtdammer als Stiftungsvorsitzende und Herrn Winfried Frölich als Geschäftsführer sowie seinen Stellvertreter Thomas Schomaker der Arenberg-Meppen GmbH. Wir sind sehr dankbar, dass wir Sie an unserer Seite haben.

Wahr ist auch: Wir sind noch nicht fertig. Es fehlen noch diverse Kleinigkeiten, und wir werden im Winter weiteres Todholz beseitigen. Die EDV-gestützte Friedhofsverwaltung wird gerade endgültig eingerichtet. Basis dafür waren die Vermessungsarbeiten, die für uns die Auszubildenden für das Vermessungswesen beim Katasteramt Meppen erledigt haben, genauer gesagt vom Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung.

Dessen Dezernatsleiter Thomas Jansen, obwohl er Schützenfest in seinem eigenen Ort hat, heute auch hier ist. Herr Jansen seien Sie herzlich willkommen und herzlich bedankt.

Gleichsam wissenschaftlich begleitet hat unser Projekt Vorname Niers aus ... Er hat als Forstwirtschaftsstudent seine Bachelorarbeit über den Bestattungswald Spahner Südholz verfasst und damit eine sehr solide Grundlage für unser Gesamtprojekt geschaffen.

Ich erwähne es deshalb, weil Herr Niers und die Auszubildenden hier in diesem Teil des Spahner Südholzes jeden Bestattungsbaum nach ganz bestimmten Kriterien ausgewählt und Geodaten basiert eingemessen haben.

Das war auch deshalb wichtig, weil es uns als Kommune - übrigens genau wie der Kirche - nicht erlaubt ist, anonym zu bestatten. Wir müssen als Friedhofsbetreiber durch eine sorgfältige Dokumentation auch nach Jahrzehnten noch nachweisen, wer wann und wo exakt bestattet worden ist. Eine kleine Tafel kann darüber hinaus am Stamm befestigt werden und an den Verstorbenen erinnern. Diese Tafel übernimmt die Funktion eines Grabsteines, den wir zwar nicht immer, aber in den meisten Fällen auch auf den hiesigen Friedhöfen vorfinden.

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit unserer vier Künstler aus Werpeloh und Sögel, die dieses Kreuz geschaffen haben. Lambert Hackmann, Günther Schnorrenberg, Rudi Lohmann und Michael Horstmann werden uns gleich ihre Gedanken vortragen, die sie bewogen haben, dieses Werk zu schaffen und so zu schaffen, wie es hier seinen Platz gefunden hat.

Im Rathaus haben sich auch Hans Nowak und Cornelia Willigmann-Kassner viel an dieser Aufgabe gefallen lassen. Herzlichen Dank !

Mein Dank gilt auch den Kollegen vom Fachbereich Bauwesen, allen voran Christoph Stevens und Werner Jansen, und unseren Mitarbeitern vom Bauhof. Besonders Jürgen Grote darf ich erwähnen, der hier unglaublich viel Einsatz gezeigt hat. Nicht zuletzt gilt mein Dank der Firma Borchers aus Surwold, die sowohl die Gehwege hier im Wald als auch die Zuwegungen zum Spahner Südholz neu gebaut oder ertüchtigt haben. Ganz fertig sind wir damit noch nicht.

Unterstützung haben wir übrigens auch von den hiesigen Bestattern erfahren, die uns mit fachlichem Rat zur Seite gestanden haben. Bereits in dieser Woche werden zwei Bestattungen stattfinden, weitere sind für die übernächste Woche vorgesehen.

Es sind viele Menschen bei uns gewesen und die enorm große Nachfrage zeigt, dass wir hier offenkundig eine wichtige Einrichtung geschaffen haben.

Dafür allen ein „Vergelt´s Gott“.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde!

Und damit bin ich beim liturgischen Teil unserer heutigen Eröffnungs- und Einsegnungsfeier. Ich darf die Herren Pfarrer und Pastöre jetzt um ihre Segen für uns alle und diesen Bestattungswald bitten.

Mögen unsere Toten hier ihren Frieden finden und wir Angehörigen einen Ort der Trauer haben.

Vielen Dank Ihnen allen.“