Wappen
01
04
2019

Burgdorf: Kirchenbau fördert Integration

Rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde will Holzkirche in Sögel realisieren

Sögel. - Die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde Papenburg-Sögel will auf dem Hümmling eine Kirche bauen. In Sögel soll das in Norddeutschland erste Gotteshaus für diese christliche Glaubensgemeinschaft entstehen. 

Der Holzbau mit Platz für 200 Gläubige soll in Rumänien vorgefertigt und dann am Ortsrand von Sögel aufgebaut werden. Der Kirchturm wird 26 Meter hoch sein, die Länge der Kirche wird mit 25 Meter beziffert. Die Kosten von insgesamt rund 300.000 Euro wollen die Kirchengemeindemitglieder durch Spenden finanzieren. Die Gemeinde Sögel stellt der Kirche das gut 3.000 Quadratmeter große Grundstück zur Verfügung; darauf hatte der Gemeinderat mit einstimmigem Beschluss verständigt.

Landratskandidat Marc-André Burgdorf (CDU) konnte sich bei einem Gespräch im Architekturbüro Radke in Sögel einen ersten Überblick über die geplante Baumaßnahme verschaffen. Er zeigte sich beeindruckt von der Bauweise, die ganz aus Holz realisiert werden soll. Besonderes Interesse fand die künstlerische Ausgestaltung der Kirche, die Ikonenmaler aus Rumänien anfertigen. „Auch für den Landkreis kann das im Sinne der Integration ein Leuchtturm werden“, sagte Burgdorf. „Ich würde mir wünschen, dass die Gläubigen mit der rumänisch-orthodoxen Kirche eine kleines Stück echte Heimat hier im Emsland finden.“ Burgdorf, selbst studierter Theologe, zeigte sich offen für jede Glaubensform im Emsland, wenn sie das Ziel verfolge, den Menschen zu dienen, zu Gemeinschaft und Integration und damit zum Wohle der ganzen Gesellschaft beizutragen. Dieses Gefühl vermitteln mir die rumänischen Mitbürger sehr.

Pater Matei Marius-Gabriel ist Priester der Pfarrgemeinde "Apostel Jakobus des Herrn und Heiliger Jer. Nektarie von Eghina "- Papenburg-Sögel, die zur Rumänisch Orthodoxen Metropolie für Deutschland mit Sitz in Nürnberg gehört. Nach seinen Aussagen wohnen etwa 6.000 rumänische Mitbürgerinnen und Mitbürger im Emsland.

Sie arbeiteten größtenteils bei der Werft in Papenburg, im Metall- und Maschinenbau oder auf den Schlachthöfen in Sögel und Haren. „Die neue Kirche in Sögel soll aber grundsätzlich allen Menschen offen stehen, die zum Gebet einkehren wollen“. Die Gottesdienste der Pfarrgemeinde werden zurzeit in der katholischen St. Jakobus Kirche in Sögel abgehalten. „Dafür sind wir sehr dankbar. Wir verspüren aber den großen Wunsch, eine eigene, für unsere Liturgie passende Kirche zu errichten. Und wir bekommen dafür große Unterstützung von unseren eher jungen Kirchengemeindemitgliedern. Die Gottesdienste werden in rumänischer Sprache abgehalten, es werden aber immer mehr deutschsprachige Elemente eingebaut“, so Pater Matei Marius-Gabriel.

„Wir fühlen uns hier gut aufgehoben“, berichtete dann auch Alina Lia als Vertreter des Kirchenvorstandes. „Die Menschen aus Rumänien sehen hier im Emsland eine gute Zukunft für ihre Familien. Sie kommen mit dem Ziel, hier entweder dauerhaft mit ihren Familien wohnen zu wollen, manche auch nur für einen bestimmten Zeitraum, um ein finanzielles Polster für die eigene Familie in Rumänien aufzubauen. „Aber nicht selten wird aus einem geplanten Zweijahresaufenthalt dann doch ein dauerhaftes Bleiben.“ Denn wenn die Kinder hier erst mal zwei Jahre gewohnt hätten, seien sie meist schon durch Schul- und Kindergartenbesuche gut integriert. Eine eigentlich geplante Rückkehr in die Heimat werde dann nicht selten verworfen.

Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers: „Wir sind froh über die Menschen, die aus Rumänien zu uns kommen. Ohne Zuwanderung hat die regionale Wirtschaft keine Chance; und ohne Zuwanderung werden wir unseren Lebensstandard nicht aufrecht erhalten können. Uns fehlen Arbeitskräfte an allen Enden: in der Pflege, in den Krankenhäusern, im Handwerk und vor allem in den Industriebetrieben.“ Irmgard Welling, Bürgermeisterin der Gemeinde Sögel ergänzte: „Ich sehe den Zuzug von Menschen aus Osteuropa als großen Gewinn. Beide Seiten müssten Integration wollen und unterstützen. Wenn dies gelingt und wir den Menschen eine neue Heimat bieten, ist das auch eine Chance für unsere Gemeinde. Mit der parteiübergreifenden und geschlossenen Unterstützung der Gemeinde Sögel beim Bau der neuen Kirche wollen wir im Sinne des Willkommenseins und der Integrationskraft unserer Gemeinde ein Zeichen setzen“.

Die Holzkirche in ihrer ungewöhnlichen Bauweise werde als erste ihrer Art in Norddeutschland nicht nur zum Besuchermagnet; ich wünsche mir, dass sie zur Stätte für Begegnung, Verständnis, Freundschaft und Integration wird; die Chancen dafür stehen gut. In Traunreut beispielsweise ist das vorbildlich gelungen.“

Unterstützung erfährt die junge Kirchengemeinde auch vom örtlichen Architekturbüro Radke, dass sich bereit erklärt hatte, die Kirche zu konstruieren und die Bauantragsunterlagen zu erstellen. Inhaber Henning Radke dazu: „In der heutigen Zeit eine Kirche neu zu bauen, ist wohl die große Ausnahme. Bei der Gestaltung dieses spannenden Projektes sind wir gerne ehrenamtlich dabei und freuen uns schon jetzt, den Kirchenbau in unser Portfolio mit aufnehmen zu dürfen.“

Bildunterschrift:

v.l. Alina Lia, Marc-André Burgdorf, Pater Matei Marius-Gabriel, Henning Radke, Güter Wigbers, Marion Kuper (Architekturbüro Radke), Irmgard Welling