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26
09
2019

Warum Organspende noch immer ein Tabuthema ist

Neue Ausstellung im Sögeler Rathaus

Sögel. - Barbara Backer, Vorsitzende des Vereins Organtransplantierte Ostfriesland, hat in Sögel im Rahmen einer Ausstellung im Rathaus über das Thema Organspende informiert. 

Backer trägt selbst ein Spenderorgan in sich und engagiert sich ehrenamtlich in der Aufklärung in dem Bereich. Die Wahlostfriesin hält die Organspende für ein Tabuthema in der deutschen Gesellschaft.

Das Thema müsse normal behandelt werden, wie Krebs oder HIV-Infektionen es mittlerweile werden, so Backer. Deshalb hält sie es für wichtig, die Allgemeinheit für das Thema zu sensibilisieren, da es ein gesamtgesellschaftliches Thema sei, wie sie betont.

„Deutschland ist in Sachen Organspende Entwicklungsland“, fasst sie zusammen. Seit Jahren sei die Zahl der transplantierten Organe in Deutschland rückläufig und auf eine Million Einwohner kämen hierzulande 9,7 Organspender. In Spanien, einer der Spitzenreiter, seien es dagegen 48 Organspender pro eine Million Einwohner.

Zudem gibt es laut Backer in 24 EU-Ländern die Widerspruchslösung, wonach man automatisch Spender ist, wenn vorher nicht widersprochen wurde. Deutschland zähle, trotz Mitgliedschaft bei Eurotransplant, nicht dazu. Dabei handele es sich um einen Verbund aus acht europäischen Ländern zur Verteilung von Organspenden auf wartende Patienten. Backer verwundere es, dass viele Menschen bereit wären, Organe zu spenden, jedoch nur wenige einen Spenderausweis besitzen. Zurückzuführen sei dies auf eine mangelnde Aufklärung und eine seltene Feststellung des Hirntodes, die zur Transplantation notwendig wäre.

Dagegen sei der Ablauf aufgrund vieler Voruntersuchungen sicher, und auch die christlichen Kirchen sprächen sich für die Organspende aus. Außerdem finde die Entnahme der Organe nicht sofort statt, sodass die Angehörigen genug Zeit zum Verabschieden hätten. Jeder, mit Ausnahme von aktivem Krebs, Blutvergiftung, HIV und verstorbene Frühchen, könne zum Spender werden. „Organspender ist man von der Wiege bis zur Bahre“, erklärt Backer. Die DSO hat nicht das Recht in die Akten der Krankenhäuser zu schauen und darf somit keine Kontrollfunktion übernehmen. In Spanien dagegen sieht dies ganz anderes aus. Hier ist die Organspende und alles was damit zu tun hat, in staatlicher Hand. Kontrollen sind einfach möglich.

Um die Informationslücke zu diesem Thema in der Gesellschaft zu schließen, war der Sögeler Hospizverein unter der Leitung von Michael Strodt auf die Samtgemeinde zugegangen. „Das Verhältnis von Hospiz und Organspende ist sehr interessant“, sagte Strodt.
Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers zeigte sich erfreut, die Ausstellung in den Räumen des Rathauses aufstellen zu können. „Das ist ein öffentlicher Raum, wo jeder vorbeikommt“, so Wigbers. Das Thema werde seiner Meinung nach viel zu nachlässig behandelt. An diesem Ort eine Ausstellung zu eröffnen sei daher geeignet, um die gesamte Bevölkerung zu erreichen.
Die Ausstellung kann bis Dezember besucht werden.